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Jaguar Magazin #08

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In dieser Ausgabe werfen wir einen Blick auf die Kunst der Kreativität, von den brasilianischen Meistern, die die anmutige Kampfkunst Capoeira erfanden, bis hin zu den irischen Künstlern, die neue und alte Kultur miteinander verbinden. Wir ergründen auch die kreative Verbindung zwischen viktorianischen Tapetenmustern und dem iPhone. Zudem erklärt der talentierte Schauspieler und Performer Riz Ahmed, warum jetzt der richtige Zeitpunkt ist, der Welt seine wahre Persönlichkeit zu offenbaren.

Reisen folgen mir aus

Reisen folgen mir aus den Fenstern der blassgrünen und gelben Häuser. Ich bin gerade rechtzeitig angekommen, um an einer Prozession zum Gedenken an die letzte Schlacht von Palmares teilzunehmen. Die Quilombola-Siedler schlugen unter ihrem Anführer Zumbi unzählige Angriffe zurück, aber 1694 wurde die Siedlung schließlich überrannt. Jedes Jahr versammeln sich die Nachkommen der Überlebenden zu Ehren der Menschen, die damals gekämpft haben. Sie steigen langsam vier Kilometer weit den Hügel Serra da Barriga hinauf und halten an verschiedenen Stellen an, um zu tanzen, zu trinken, Gedichte und Reden vorzutragen – und natürlich Capoeira vorzuführen. Der Ton ist zwar fröhlich, aber durchaus ernst. Allesamt komplett in Weiß gekleidet, schreiten wir durch die Nacht. Ein gespenstisches Bild vor dem schwarzen Himmel. Die Dunkelheit scheint uns näher zusammenzubringen. Wir beenden unsere Wanderung in der Morgendämmerung hoch oben auf dem Hügel am Memorial Quilombo, einer Art lebendes Modell und Museum. Es ist beeindruckend, aber ernüchternd. Ich nehme mir die Zeit, mich zu setzen und nachzudenken. Ein kupferfarbener Kolibri, der auf Portugiesisch Beija-Flor (Blumenküsser) genannt wird, leistet mir Gesellschaft. Seine Artgenossen lassen ihr Geschrei von den Bäumen Allesamt komplett in Weiß gekleidet, schreiten wir durch die Nacht. Ein gespenstisches Bild vor dem schwarzen Himmel. Pferdestärken Der XE passt sich dem Tempo von União dos Palmares an (oben) Im historischen Memorial Quilombo hält man den Geist von Capoeira lebendig (darüber) Verkehr schnell dünner. Ich reise weiter zurück in die Vergangenheit, nach União dos Palmares, wo einst die größte bekannte Sklavensiedlung Amerikas lag, das sagenumwobene Quilombo dos Palmares. Quilombos waren Siedlungen geflohener Sklaven, und diese beherbergten rund 30.000 Menschen. Ich hoffe, das bringt mich den frühesten Ursprüngen von Capoeira näher. An den Ampeln drängen sich Straßenverkäufer, um meine Windschutzscheibe zu reinigen oder mir einen Snack aus Jackfruit zu verkaufen. Ich passiere unzählige Tankstellen und viele Polizei-Checkpoints. Bald erreiche ich die Rodovia Estrada do Côco und Linha Verde – den Coconut Highway und die Green Line – oder weniger poetisch: die BA-099. Die Green Line beschreibt einen dramatischen Pfad durch den Atlantischen Wald, vorbei an strahlend weißen Sanddünen und kunstvollen Felsschichten in warmem Rosa. Straßenschilder warnen vor Eseln und Faultieren, aber meine größte Herausforderung besteht darin, eine Armee von Fröschen zu umfahren, die auf dem Asphalt die Restwärme des Tages genießen. Etwa zwölf Stunden von Salvador entfernt gleite ich durch Zuckerrohrfelder und Rinderweiden und komme schließlich in União dos Palmares an. Die Stadt wirkt verfallen, aber hell. Pferdekutschen dominieren die Straße, und neugierige Augen erklingen, aber ansonsten ist dies ein ruhiger Ort – ein Denkmal für das unvorstellbare Leid der versklavten Vorfahren aller Afrobrasilianer, aber auch für ihre außergewöhnliche Ausdauer und ihren Mut. Ich habe gelesen, dass die Sklavenbesitzer Familien und Stämme trennten, um Verbrüderung zu vermeiden. Denkbar, dass Capoeira für Menschen aus verschiedenen Regionen damals eine Möglichkeit war, ohne Worte zu kommunizieren und zusammenzurücken. Die Leute hier sind stark mit ihrer Geschichte verbunden und sehen Capoeira als direkte Verbindung zu ihren Vorfahren. Für viele ist es ein starkes Symbol des Widerstands, ein Mahnmal gegen soziale Ungerechtigkeit. Es ist irgendwie symmetrisch, dass diese einst geächtete Kunst heute dazu beiträgt, junge Menschen vor Kriminalität zu bewahren. Einige wollen innovativ sein, andere wollen daraus Kapital schlagen und wieder andere suchen Anerkennung und Schutz. Wie auch immer die Zukunft von Capoeira aussieht, eines ist sicher – es wird niemals Stillstand geben. 30 / Jaguar Magazine Jaguar Magazine / 31

 

JAGUAR MAGAZINE

 

Das Jaguar Magazin feiert die Kreativität in all seinen Facetten mit exklusiven Beiträgen für mehr Inspiration – von traumhaften Designs bis hin zu modernster Technologie.

In dieser Ausgabe werfen wir einen Blick auf die Kunst der Kreativität, von den brasilianischen Meistern, die die anmutige Kampfkunst Capoeira erfanden, bis hin zu den irischen Künstlern, die neue und alte Kultur miteinander verbinden. Wir ergründen auch die kreative Verbindung zwischen viktorianischen Tapetenmustern und dem iPhone. Zudem erklärt der talentierte Schauspieler und Performer Riz Ahmed, warum jetzt der richtige Zeitpunkt ist, der Welt seine wahre Persönlichkeit zu offenbaren.

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